Wohlfühloase am eigenen Haus
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Blickdicht oder Blickfang? Die Grundstückumrandung

Wo ihr Grundstück aufhört, wollen viele Bauherrn Akzente setzen. Doch die Liste der Optionen ist lang und voller Vor- und Nachteile.

Ein Neubaugebiet, kleine Grundstücke, enge Bebauung. Will man da wirklich, dass der Nachbar einem vom Garten aus bis auf den Fernseher schauen kann? Szenenwechsel. Ein freistehendes Haus auf dem Land. Bäume umringen das Haus, ideale Deckung für Kriminelle, um ungesehen ans Objekt zu gelangen. Ließe sich das nicht durch einen Sicherheitszaun unterbinden? Erneuter Ortswechsel. Vor dem Einfamilienhaus ziert ein liebevoll angelegter Vorgarten mit Stauden und Kies die ganze Umgebung – wenn auf dem Gehweg parkende Autos nicht immer über die vordersten Zentimeter rollen und eine Spur hinterlassen würden.

Um sein Grundstück abzugrenzen gibt es viele Methoden. Sie unterscheiden sich sowohl in Optik als auch Funktion – dekorativ? schützend? offen oder geschlossen? Der folgende Artikel zeigt die wichtigsten Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen.

Rechtliches

Wie die meisten Bauherren festgestellt haben, legen in Deutschland Paragraphen genau fest, wie und wo gebaut werden darf. Grundlagen sind dazu nicht nur der Bebauungsplan, sondern im Falle der Grundstücksumrandung auch die Nachbarrechtsgesetze.

Was in einem Wohngebiet erlaubt ist, kann im anderen verboten sein. Maßgabe ist hier die „Ortsüblichkeit“. Und natürlich halten die Bundesländer auch Vorgaben bereit, für den Fall, dass es keine ortsüblichen Einfriedungen, so der Fachbegriff, gibt. In jedem Fall sollte man sich vor Planungsbeginn mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen und erfragen, was man überhaupt errichten darf.

Übrigens gibt es nicht in jedem Bundesland eine Pflicht zur Einfriedung. Erst wenn der Nachbar es verlangt, muss gehandelt werden. Und natürlich kann auch die Höhe der Einfriedung sowie ihr maximaler Abstand zur Grundstücksgrenze vorgeschrieben werden. Wer ohne Erlaubnis errichtet, dem drohen Zwangsmaßnahmen bis hin zum Abriss der Einfriedung.

Offene (keine) Einfriedung

Keine Zäune, keine Barrieren, nichts, was den Blick versperren könnte. Das ist die offene Einfriedung. Warum viele Menschen gar keine Begrenzung ihres Grundstücks wünschen, ist leicht erklärt. Im Falle des Vorgartens kann es einfach der Wunsch sein, Haus und Vorgarten in aller Pracht zu präsentieren. Und hinter dem Haus hindern nicht vorhandene Einfriedungen niemanden daran, auf einen Plausch zum Nachbarn zu gehen oder in die Natur zu gelangen – ganz abgesehen davon, dass keine Einfriedung eben auch keine Kosten und Arbeit verursacht. Aber diese Maßnahme ist nur in einigen Bundesländern rechtlich problemlos möglich.

Vorteile

  • Kostenlos
  • Keine Errichtungskosten
  • Kein Pflegeaufwand
  • Keine irgendwie geartete Limitierung

Nachteile

  • Keine klare Grundstücksbegrenzung
  • Keinerlei Sichtschutz
  • Kein Schutz gegen Betreten

Poller

Eingangs des Artikels war von dem Haus mit dem schönen Vorgarten zu lesen. Natürlich ist jeder Hausherr stolz, wenn wie Vorbeigehende anerkennende Blicke auf die Früchte seiner gärtnerischen Arbeit werfen. Aber mit dieser Freiheit kommt auch die Tatsache, dass Fahrzeuge beim Parken oder Wenden leicht erst auf den Gehsteig und dann in den Garten geraten – und wenn man den Übeltäter nicht auf frischer Tat ertappt, gibt es nur wenige Möglichkeiten, den Schaden ersetzt zu bekommen.

Poller, vielleicht durch eine dekorative Kette verbunden, können die Lösung sein. Denn sie hindern den Blick nicht, setzen jedoch trotzdem eine eindeutig sichtbare Grenze. Ein Problem ist jedoch, dass wenn jemand gegen den Poller fährt, oft nicht nur das Element selbst kaputt ist, sondern auch noch die Verankerung im Boden. Abhilfe schaffen nur Verankerungssysteme mit Sollbruchstelle, die abknicken, bevor der Poller Schaden nimmt – was auch den Vorteil hat, dass sich die Poller für den Fall, dass man Platz benötigt, schnell entfernen lassen. Doch natürlich muss klar sein, dass auf diese Weise kein mechanischer Zutrittsschutz gewährt ist. Allerdings ist die Poller-Variante eine „Sorgenfrei-Lösung“ denn nach dem Aufstellen fallen praktisch keine Pflegearbeiten außer dem Anstreichen des Metalls alle paar Jahre an.

Vorteile

  • Effektiver Schutz gegen Befahren
  • Optisch sehr unauffällig
  • Keine Pflegearbeiten notwendig Vergleichsweise günstig

Nachteile

  • Kein Zutritts- oder Sichtschutz
  • De facto nur an Straßen oder Wegen sinnvoll

Maschendrahtzaun

Der gute alte Maschendrahtzaun hat auch heute noch seine Daseinsberechtigung. Denn er ist ein wahrer Tausendsassa. Zunächst ist er die erste Einfriedung dieser Liste, die (je nach Höhe) einen effektiven Zugangsschutz gewährleistet. Zudem bieten die zwischen 50 und 60 Millimeter durchmessenden Maschen handelsüblicher Modelle auch kaum Sichthindernisse – wer etwas zu präsentieren hat, kann es auch sichtbar lassen. Alternativ kann der Maschendrahtzaun auch mit Rankpflanzen wie Efeu, Weinreben oder Duftwicken nicht nur blickdicht, sondern zum wunderschönen Blickfang gemacht werden.

Doch ist normaler Maschendrahtzaun nicht unüberwindbar. Wer mehr Sicherheit will, muss zu stabilen Stahlgitterzäunen greifen. Und einmal gesetzt und gespannt wird es aufgrund der Konstruktion auch aufwändiger, nachträgliche Öffnungen zu realisieren.

Vorteile

  • Günstige Meterware
  • Kann durch Bewuchs blickdicht gemacht werden
  • Einfacher Aufbau
  • Witterungsbeständig
  • Kein Pflegebedarf

Nachteile

  • Kann durch Tritte usw. unschön verformt werden
  • Einmal bewachsen nur schwer zu reinigen
  • Kann von Tieren untergraben werden

Steingitterwand / Gabionen

Der große Renner der vergangenen Jahre, die Steingitterwand. Der Grund dafür ist die unglaubliche Freiheit des Seins. Denn eine Gabione, so der aus dem Italienischen stammende Name, ist nichts weiter als ein frei gestaltbarer Korb aus Drahtgittern. Dort hinein werden Steine gefüllt. Diese Flexibilität gepaart mit der Optik macht die Steingitterwand zum Multitalent der Grundstückseinfriedung, denn sowohl was Form als auch Füllung anbelangt, gibt es praktisch keine Grenzen. Und sicher sind Gabionen auch, denn ihre Stützpfosten werden fast einen Meter tief im Boden verankert – da können weder menschliche Tritte noch automobile Rempler viel beschädigen.

Hinzu kommt, dass die Steingitterwand auch bepflanzt werden kann und zudem durch die zahllosen Lücken zwischen den Steinen ein echtes Tierparadies ist - leider auch nicht ohne Gegenstimmen. Nach Aufbau der Gabione sitzt diese bombenfest und mit der drahtigen Optik kann sich auch nicht jeder anfreunden.

Gabionen als Hangsicherung

Vorteile

  • Flexibel im Design
  • Große Vielfalt bei der Befüllung
  • Sicht-, Zutritts- und Lärmschutz in einem
  • Schnell erbaut
  • Sehr geringer Pflegeaufwand (in unbepflanztem Zustand)

Nachteile

  • Optisch teilweise gewöhnungsbedürftig
  • Massive, „erschlagende“ Wirkung
  • Schwer zu entfernen

Hecke

Hält Straßenschmutz von der Hausfassade fern. Ist Nistplatz für zahllose Vogelarten, verbessert das lokale Klima und hat auch noch eine „zurück-zur-Natur“-Optik. An der Hecke gibt es wenig, das man nicht mögen kann. Zudem ist sie flexibel – es sind nicht nur sommergrüne Gewächse wie Liguster möglich, sondern auch ganzjährig grüne Exemplare wie Kirschlorbeer. Und wer sich für Sorten wie den Feuerdorn entscheidet, bekommt sogar einen äußerst stachligen Schutz vor ungebetenen Gästen – abgesehen davon, dass man seiner gärtnerischen Kreativität in Sachen Formgestaltung freie Hand lassen kann. Eine Hecke kann wild sein, oder eben auch streng geometrisch.

Doch genau da findet sich auch der Knackpunkt. Denn eine Hecke bedeutet immerwährende Arbeit, muss geschnitten werden – aber nur im Winter, weil Hecken im Sommer gesetzlich geschützt sind. Und natürlich sorgen auch die immergrünen Varianten für Schmutz durch Grünschnitt, der weggeschafft werden will.

Vorteile

  • Sehr günstig
  • Ökologisch wertvollste Einfriedung
  • Zutrittsschutz
  • Natürliche, wenig störende Optik

Nachteile

  • Kann Jahre benötigen, bis sie in der gewünschten Höhe ist
  • Hoher Pflegeaufwand
  • Nicht für jeden Standort geeignet
  • Lockt Tiere an, die für Verunreinigungen sorgen können (Vogelkot)

Holzzaun

Wenn der Frühling kommt, sind sie wieder in unzähligen Ausführungen in den Werbeprospekten der Bau- und Gartenmärkte zu finden – Holzzäune. Auch sie sind flexibel, gibt es bei Holz doch praktisch keine Beschränkung für das Design. Der klassische hüfthohe Jägerzaun ist ebenso wenig ein Problem wie Bambus-Sichtschutzwände oder ein Lattenzaun. Kommt noch hinzu, dass nur einige Bodenhülsen in die Erde geschlagen werden müssen, um ein stabiles Fundament für die Pfosten zu erschaffen – was den Zaun auch zum perfekten Betätigungsfeld für Heimwerker macht.

Doch je nach Art bedeutet der Zaun auch mehr oder weniger Einschränkungen. Typische Sichtschutzelemente aus dem Baumarkt gibt es nur in festen Abmessungen, was Kompromisse erfordert. Und viel Sicherheit bietet ein Zaun auch nicht – dafür aber eine Angriffsfläche für Wind und Wetter, die regelmäßiges Streichen erfordert.

Vorteile

  • Sehr variantenreich
  • Relativ günstig
  • Leicht auf- und abzubauen, auch in Eigenregie

Nachteile

  • Pflegebedürftig
  • Teilweise nur als Meterware erhältlich
  • Nicht sonderlich robust

Mauer

Wer ein handfestes Statement setzen, sein Grundstück von allen Blick- und sonstigen Einflüssen abschirmen und keinerlei Pflegeaufwand haben will, wird mit der Mauer glücklich werden. Ob nun aus Beton gegossen oder hochgemauert ist zweitrangig. Eine Mauer ist weder leicht zu erklimmen, noch lässt sie sich von etwas Profanem wie Auto-Remplern beeindrucken.

Soweit die Vorzüge, doch die werden durch einen hohen Preis erkauft – schon eine acht Meter lange, brusthohe Mauer schlägt mit fast 3.000 Euro zu Buche – nach oben hin offen. Zudem ist der Aufbau-Aufwand vergleichbar mit dem Hausbau. Es muss ein frostsicheres Fundament gegossen werden. Zudem versiegelt eine Mauer ein Grundstück hermetisch. Licht wird ebenso abgehalten wie Wind. Das kann an schattigen Gartenstellen dafür sorgen, dass der Boden immer feucht ist – und weil die Mauer rechtlich nicht zum Gebäude gehört, haftet bei Schadensfällen auch nicht die Wohngebäudeversicherung.

Vorteile

  • Exzellenter Sicht-, Zutritts- und Lärmschutz
  • Kann nicht untergraben werden
  • Kein Pflegeaufwand
  • Je nach Bauweise viele dekorative Freiheiten

Nachteile

  • Mit Abstand teuerste Einfriedungs-Variante
  • Trennt Grundstück räumlich vollkommen von der Umgebung
  • Sehr aufwändiger Aufbauprozess
  • Verhindert Trocknungseffekte durch Wind
  • Je nach Höhe starke Abschattung
Wie und wie hoch eingefriedet wird, hängt nicht nur vor den örtlichen Erlaubnissen, sondern auch dem Geschmack des Hauseigentümers ab. Die beste Einfriedung ist die, die einem persönlich gefällt – ob das nun ein leichter Maschendrahtzaun oder eine bombensichere Mauer ist, ist zweitrangig.

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