Hausbau-Ratgeber
Das Passivhaus

Passivhaus: Energiesparend und komfortabel in die Zukunft

Ein Passivhaus ist nicht nur ein Markenname, sondern vor allem ein Baukonzept. Denn: Das Energiesparhaus ist nahezu völlig unabhängig von herkömmlichen Energieträgern wie Kohle, Gas oder Holz. Wie der Name schon sagt, wird der größte Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen, wie Sonneneinstrahlung, Körperwärme der Hausbewohner oder technischen Geräten gewonnen. Eine herkömmliche Heizung ist meist nicht mehr nötig.

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Wie definiert sich der Passivhausstandard?

Das Passivhaus Institut in Darmstadt hat für Passivhäuser spezielle Rahmenbedingungen festgelegt – und 2015 neue Passivhaus-Klassen eingeführt, unterteilt in Classic, Plus und Premium. Ein Gebäude ist demnach nur dann ein Passivhaus, wenn folgende drei Faktoren berücksichtigt sind.

  • Das Haus ist luftdicht! Die mittlere Luftwechselrate n50 liegt in Passivhäusern bei 0,6h-1. Das bedeutet, dass bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal die Luft im Gebäude in einer Stunde nur 0,6 Mal durch Luftundichtigkeiten ausgetauscht wird.
  • Das Haus ist unabhängig von Energieträgern! Der Energiekennwert für Heizwärme liegt in Passivhäusern bei maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die Heizwärmelast beträgt bis zu 10 Watt pro Quadratmeter, was etwa 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter entspricht.
  • Die Anlagen verbrauchen kaum Energie im Haus! Das heißt: Die gesamte Primärenergie inklusive Haushaltsstrom liegt bei maximal 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr.

Damit dieser niedrige Energieverbrauch erreicht wird, ist eine wirksame Dämmung der Außenwände, Bodenplatte und des Dachs nötig. Darüber hinaus sind eine moderne Lüftungstechnik sowie die bestmögliche Verglasung zur passiven Nutzung der Sonnenenergie unabdingbar.

Das Passivhaus - nachhaltig und energiesparend.

Nachhaltig und Energiesparend

  • massiv gebautes und werthaltiges Haus, energetisch nach den aktuellsten Vorgaben
  • hochwertige und energiesparende Inklusivausstattung
  • Wohngesundheit dank massiver Bauweise und optimierten Gebäudekonzepten

Wie lebt es sich in einem Passivhaus?

Ein Passivhaus bietet einige Vorteile: So verbraucht es etwa 90 Prozent weniger Heizwärme als bestehende Häuser. Im Vergleich zu einem regulären Neubau wird mehr als 75 Prozent eingespart. Das reduziert auch die Ausgaben für Nebenkosten auf ein Minimum.

Das A und O bei einem Passivhaus ist die effiziente Wärmedämmung des gesamten Gebäudes, auch des Dachs und der Bodenplatte. Energie und Wärme bleiben dadurch besser im Haus. Im Sommer ist es in einem Passivhaus angenehm kühl und im Winter behaglich warm. Wem dennoch eine direkte Wärmequelle fehlt, kann sich einen speziellen Kaminofen einbauen lassen. Für die Wärmeversorgung wird er zwar nicht benötigt, aber er vermittelt Gemütlichkeit.

Die Lüftungsanlage ersetzt nicht nur die klassische Heizung, sondern sorgt gleichzeitig für gleichbleibend frische Luft und ermöglicht eine umweltschonende Wärmerückgewinnung. Manuelles Lüften ist nicht mehr zwingend nötig. Und das heißt: Keine Zugluft und keine extremen Temperaturunterschiede. Die Luftqualität ist durch spezielle Filter zudem besser als die Qualität der Außenluft. Für Allergiker können sogar Pollen herausgefiltert werden. Störender Lärm bleibt draußen, weil ein Öffnen der Fenster in Ihrem Passivhaus nicht nötig ist.

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Wie ist die Bauweise eines Passivhauses?

Ausschlaggebend beim Bau eines Passivhauses ist die besondere Isolierung sowie der Einbau der Lüftungsanlage. Hinzu kommt die optimale Ausrichtung des Hauses, um eine bestmögliche, passive Wärmegewinnung durch die Sonneneinstrahlung zu gewährleisten. Hierbei sollte beachtet werden, dass die Hauptfassade des Passivhauses generell nach Süden ausgerichtet sein muss.

Die passive Wärme- bzw. Energiegewinnung kann beispielsweise durch eine großflächige, nach Süden ausgerichtete Fensterfront, durch die die Sonne ausreichend in die Wohnräume scheinen kann, geschehen. Die optimale Wärmedämmung verhindert die Wärmeableitung nach außen und das integrierte Lüftungssystem versorgt die Bewohner konstant mit warmer (oder im Sommer kühler) Frischluft. Auch die grundlegende Gebäudeform muss beim Bau eines Passivhauses berücksichtigt werden. Je kompakter die Gebäudeform, desto besser funktioniert die passive Energiegewinnung. Hierbei sollte das Verhältnis von beheizbaren Innenräumen zu den Wärme abstrahlenden Außenwänden so gering wie möglich gehalten werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Bau eines Passivhauses ist die sogenannte „Verschattung“. Unter Verschattung versteht man ein Verhindern der optimalen Besonnung durch Schatten werfende Objekte, wie Nachbarhäuser oder umliegende Vegetation. Um eine optimale und ausreichende Besonnung des Hauses zu gewährleisten, muss daher schon bei der Planung eines Passivhauses unbedingt darauf geachtet werden, dass ein ausreichender Abstand zu möglichen Nachbarhäusern und Bäumen besteht.

Für die Planung eines Passivhauses sollte ein kompetenter und erfahrener Architekt beauftragt werden, welcher sich schon vor Baubeginn mit den entsprechenden Haustechnikern berät. Das Konzept des Passivhauses ist keinesfalls eine „neue Erfindung“. Das erste Passivhaus wurde bereits 1991 in Darmstadt erbaut und daher sollte ein kompetenter Architekt für den Hausbau nicht allzu schwer zu finden sein.

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Welche Anforderungen muss ein Passivhaus erfüllen?

Ein Passivhaus ist laut Definition des Passivhaus-Instituts Darmstadt ein Gebäude, in dem fast ohne Heizverteilsystem im Winter und ohne Klimaanlage im Sommer eine hohe Behaglichkeit erreicht werden kann. Das Haus heizt und kühlt sich „passiv“. Auf ein konventionelles Heizverteilsystem kann bei Wohngebäuden meist sogar vollständig verzichtet werden, weil die Wärmeverluste des Bauwerks durch eine optimierte Gebäudehülle bis zu 80 - 90 Prozent minimiert werden.

Die winddichte, annähernd wärmebrückenfreie und extrem wärmegedämmte Gebäudehülle des Passivhauses sorgt dafür, dass die warme Innenluft im Gebäude gehalten und die kalte Außenluft vom beheizten Raumvolumen abgehalten wird. Zusätzlich tragen Dreischeibenverglasungen mit ihren niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten ebenfalls zu niedrigen Wärmeverlusten bei, haben aber durch ihren hohen Energiedurchlassgrad die Eigenschaft, kostbare Sonnenenergie einzufangen und in den Räumen und Wänden zu speichern. Selbst im Winter liefern diese Fenster solare Gewinne und können somit als „Heizquelle“ in die Heizwärmeberechnung mit einbezogen werden.

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Benötigt ein Passivhaus Solartechnik?

Die einfache Antwort lautet: Ja! Bei der Solartechnik handelt es sich um spezielle Systeme, welche mithilfe der Sonneneinstrahlung Wärme für Heizung und Warmwasser oder elektrische Energie gewinnen. Hierzu werden sogenannte Solarzellen benutzt, die generell auf dem Dach des Passivhauses montiert werden. Die Solarzellen wandeln die Sonneneinstrahlung in die benötigte Energie um und geben sie an spezielle Lagersysteme oder aber für den Direktverbrauch weiter. Da in unseren Breitengraden je nach Jahreszeit eine sehr unterschiedliche Intensität der Sonneneinstrahlung besteht, sind spezielle Lagereinrichtungen zum Speichern der Energie unbedingt notwendig. Nach dem heutigen Stand der Technik kann gesagt werden, dass die solare Energiegewinnung effektiver und die benötigten Solarzellen immer kleiner werden.

Die solare Warmwassergewinnung erfolgt in der Regel durch sogenannte Solarkollektoren, welche die gewonnene Wärme aus der Sonneneinstrahlung an ein integriertes Wasserleitungssystem abgibt. Das Wasser, das durch das Leitungssystem zirkuliert, erwärmt sich und wird in einem speziellen Warmwasserspeicher bis zum letztendlichen Verbrauch gelagert und mithilfe einer speziellen Isolierung warm gehalten. Die thermischen Sonnenkollektoren arbeiten hierbei sehr effektiv und erreichen bei der Verwertung der Sonnenenergie einen ungemeinen Wirkungsgrad von ungefähr 70 Prozent, was bedeutet, dass durch die solare Wärmegewinnung 70 Prozent der Energieleistung der Sonnenstrahlen verfügbar gemacht werden.

Die solare Stromgewinnung wird als Photovoltaik bezeichnet. Hierbei werden die Sonnenstrahlen mittels Solarzellen in verwertbaren Strom umgewandelt. Auch bei der Photovoltaik schreitet die Entwicklung stetig voran, sodass auch die solare Stromgewinnung immer effektiver wird. Wie bei der solaren Wärmegewinnung steigt auch bei der Stromgewinnung die prozentuale Nennleistung aufgrund der immer weiter fortschreitenden Entwicklung der solartechnischen Einzelkomponenten konstant an. Auch bei der solaren Stromgewinnung sind spezielle Speichereinheiten, in diesem Fall leistungsstarke Batterien bzw. Akkus, notwendig, um den gewonnenen Strom bis zum endgültigen Verbrauch „lagern“ zu können.

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Wie hoch sind die Unterhaltskosten für ein Passivhaus?

Die Kosten für den Neubau eines Passivhauses sind je nach Ausstattung und Größe des geplanten Eigenheims ca. 5 – 15 Prozent höher als für den Bau eines geläufigen Einfamilienhauses. Die Amortisationszeit eines Passivhauses wird in der Regel auf 10 Jahre geschätzt. Für die Komplettsanierung eines Altbaus mit den üblichen Passivhauskomponenten kommen erfahrungsgemäß 12 – 18 Prozent an Mehrkosten auf den Besitzer zu.

Die Mehrkosten – sowohl beim Neubau als auch bei einer Sanierung – errechnen sich aus dem Material für die Wärmedämmung, der benötigten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, den optimal gedämmten Fenstern mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung und den verschiedenen Lösungen für eine luftdichte Abdämmung der Außenwände. Die Minderkosten errechnen sich aus den nicht benötigten Komponenten für das Passivhaus, wie beispielsweise den Kamin, den Heizkörpern, den Brennstofflagerraum und den geringen Unterhaltskosten für Warmwasser und Heizung.

Die Unterhaltskosten für ein Passivhaus errechnen sich wiederum aus dem Stromverbrauch für die Lüftung und der eventuell installierten Wärmepumpe, welche für einen gering höheren Stromverbrauch sorgen. Im Gegensatz hierzu entstehen bei einem Passivhaus keine Kosten für Heizung und Warmwasser. Der erhöhte Kostenaufwand für die Materialien und speziellen Systeme des Passivhauses werden durch die geminderten Unterhaltskosten (keine Heiz- und Warmwasserkosten) langfristig wieder ausgeglichen.

Eine Studie hat ergeben, dass die Gesamtkosten für ein Passivhaus im Hinblick auf die Einsparungen bei den Unterhaltskosten über einen Zeitraum von 30 Jahren nicht höher sind, als bei einem konventionellen Eigenheim. Zusätzlich zeichnet sich ein Passivhaus durch die gehobene Wohnqualität, die Unabhängigkeit von den zukünftigen Energiepreiserhöhungen und der Entlastung der Umwelt aus.

Gibt es Wärmebrücken im Passivhaus?

Wärmebrücken sind Schwachstellen an wärmegedämmten Bauteilen, wie Kanten, Ecken, Anschlüsse und Durchdringungen. An diesen Stellen ist der Wärmeverlust größer. Die innere Oberflächentemperatur ist hier geringer, sodass die Gefahr von Tauwasseranfall und Schimmelbildung besteht.

Das Vermeiden von Wärmebrücken ist nach Erfahrungen im Passivhaus-Bau eine der wirtschaftlichsten Einsparmaßnahmen. Der Einfluss von Wärmebrücken auf die gesamten Transmissionswärmeverluste kann erheblich sein, daher ist es bei der Planung von Passivhäusern erforderlich, diesen zusätzlichen Wärmeverlust durch Wärmebrücken weitestgehend zu reduzieren, um den angestrebten niedrigen Jahresheizwärmebedarf auch tatsächlich zu erreichen.

Wird der Bau eines Passivhauses staatlich gefördert?

Der Neubau eines Passivhauses wird von der KfW-Bankengruppe über das Programm 153 „Energieeffizientes Bauen“ gefördert. Und auch für die Sanierung von Bestandsbauten gibt es vom Kreditinstitut für Wiederaufbau Zuschüsse. Das übliche Nachweisverfahren über den Passivhausstandard, das sogenannte PHPP-Projektierungs-Paket, erkennt die KfW bei Entsprechung der eigenen Mindestanforderungen an.

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